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„Seinem Schatten kann man nicht davonlaufen …“

Am Donnerstag, den 22. April 2010, fand um 19.30 Uhr in der Stadthalle Roding ein Referat von Herrn Dekan Thomas Schmid mit dem Titel „Seinem Schatten kann man nicht davonlaufen …” statt. Er berichtete darin über die Belastungen bei harten Feuerwehreinsätzen.

 

Zeitungsbericht des „Bayerwald Echo, Schwerpunkt Ost” vom 27.4.2010:

Feuerwehrleute müssen nicht „hart” sein

Psychologie Feuerwehr-Pfarrer Thomas Schmid: Über Angst und Sorgen beim Einsatz sollte man offen reden!

LANDKREIS. „Seinem Schatten kann man nicht davonlaufen!” So lautete das Thema eines Vortrag von Dekan Thomas Schmid, Feuerwehrseelsorger im Landkreis Regensburg. Der Chamer Kreisfeuerwehrverband hatte die Mitglieder aller 190 Feuerwehren im Landkreis Cham eingeladen.

Thomas Schmid ist als ehemaliger Kaplan von Furth i. Wald vielen persönlich bekannt. Er betonte, dass Feuerwehrler neben dem Einsatz für sich auch für Kameraden Verantwortung übernehmen müssen. Er sprach aus 15 Jahren Erfahrung in der Begleitung von Feuerwehrleuten.

„Der Einsatz verlangt von dem Einzelnen oft das äußerste und nimmt damit auch das ganze Leben des Feuerwehrmannes in Anspruch”, so Schmid. Der Feuerwehrdienst nehme damit auch Einfluss auf das soziale Netz jedes Feuerwehrmannes.

„Das wichtigste, komplexeste, diffizilste, jedoch effizienteste und vielseitigste Einsatzmittel ist in der Feuerwehr der Mensch, der sich in den Dienst am Nächsten stellt”, sagte Schmid: „Ihm gebührt vor allem unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuwendung und Sorge!”

Er sprach auch von „Schatten”, die sich infolge der Belastung über Familie, Ehe, Freundschaften, den Beruf legen könne. So ein Schatten werde für gewöhnlich geleugnet oder verdrängt. „Doch man kann seinem Schatten nicht davonlaufen”, so der Referent. Man könne den Schatten als zur eigenen Persönlichkeit gehörig annehmen. Man dürfe ihn aber auch hinter sich lassen und ihm seine ängstigende Wirkung nehmen.

„Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten zählt zu den zentralen Aufgaben des menschlichen Reifeprozesses”, so Schmid. Dabei gilt ein bekannter Grundsatz: „Reden ist Gold und Schweigen ist Silber!”

Viele blieben leider noch blind und stumm, sowohl für die eigene Situation als auch mit Blick auf die Kameraden. „Wir sagen zu wenig! Wir schweigen zu viel!”, so der Referent. Reden sei „ein klarer Beweis der Freundschaft und des Interesses am Anderen und nicht eine Beurteilung oder Verurteilung”. Je weiter der „Mantel des Schweigens” ausgebreitet werde, umso größer werde der Schatten über dem, der das Schweigen vielleicht ganz anders deute.

Im Feuerwehrdienst gebe es ausgesprochene, aber weit mehr unausgesprochene Ängste. Schmid regte regelmäßige Dienst- und Einsatzbesprechungen an, wo auch über jede Furcht und Angst gesprochen werden könne. Der Redner sprach sich deutlich gegen Sprüche von den sogenannten „Harten” aus, wie: „Geh jetzt trink ma a Halbe! Dou di ned oi, des wird scho wieda!” In den Feuerwehren müsse noch mehr das Bewusstsein für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zur Menschenführung, Stressbearbeitung und kollegialer Unterstützung gefördert werden.

Als Botschaft des Abends gab Thomas Schmid den vielen Feuerwehraktiven mit auf den Weg: „Die Fürsorgepflicht für die Männer und Frauen im Feuerwehrdienst sollte alle bewegen!” Man müsse „Schatten wahrnehmen, Schatten ernst nehmen, Schatten einordnen, gegen Schatten intervenieren und Ansätze zur Problembewältigung geben”. Fazit: „Seinem Schatten kann man nicht davonlaufen!”(cft)

Letzte Änderung: 28. April 2010 von Webmaster
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